16.09.2011 14:54

Tag des Hellen Hautkrebses in Berlin


Foto: Stefanie Schnarr, ESCF

Heller Hautkrebs ist in Europa um 30 Prozent häufiger als bisher angenommen. Das zeigt eine seit 2008 in neun europäischen Ländern laufende EU-Studie (EPIDERM-Studie). Eine erste Auswertung wurde am 13. September 2011 anlässlich des erstmals veranstalteten „Tag des Hellen Hautkrebses“ in Berlin präsentiert. Allein in Deutschland erkranken Jahr für Jahr 250.000 neu an der mittlerweile häufigsten Krebsart der weißen Bevölkerung – mit steigender Tendenz um jährlich fünf bis sieben Prozent. Bisherige Schätzungen gingen von rund 170.000 Neuerkrankungen pro Jahr in der Bundesrepublik aus.

Der Helle Hautkrebs ist weniger aggressiv als der Schwarze Hautkrebs und nur in seltenen Fällen tödlich, tritt aber rund zehnmal so häufig auf.  „Die Belastungen für die Patienten und das Gesundheitssystem wurden aufgrund der unzureichenden Datenlage massiv unterschätzt.“, erklärt Professor  Eggert  Stockfleth, Leiter der Europäischen Hautkrebsstiftung (ESCF). „Um  Hautkrebs überhaupt europaweit bekämpfen zu können, benötigen wir dringend neue Strategien für die öffentliche Gesundheit. Die Menschen brauchen Aufklärung und Zugang zu einer optimalen Therapie“, so Professor Stockfleth weiter.

Vor allem in Nordeuropa sind  wirksame Präventionsmaßnahmen unumgänglich, denn hier häufen sich die Hautkrebsfälle.  „Die Skandinavier gehen oft auf die Sonnenbank und verbringen viel Urlaubszeit im Süden, trotz überwiegend heller und sonnenempfindlicher Haut“, begründet Professor Stockfleth die hohe Inzidenz von Hautkrebs in Skandinavien.  Auch der Umgang mit Sonnenschutzmitteln sei bei den Skandinaviern eher schlecht. „Mehr als zwei Drittel der Schweden nehmen Sonnenschutzmittel höchstens sporadisch, nur knapp acht Prozent tun es konsequent“, ergänzt Professor Christian Surber von der Universität Basel. Doch auch in anderen Ländern werde immer noch zu wenig  und zu selten eingecremt. „ Dabei ist klar: Ein hoher Lichtschutzfaktor bringt auch eindeutig höheren Schutz. Und auf das persönliche UV-Konto wird ein Leben lang eingezahlt“, erläutert Professor Surber weiter.

Deutschland ist bisher das einzige Land, das Hautkrebsvorsorge als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen anbietet und damit in Sachen Früherkennung eine Vorbildfunktion einnimmt.  Rund 13 Millionen Bundesbürger haben in den vergangenen zwei Jahren am Hautkrebsscreening teilgenommen.  „Das Screening zeigt schon jetzt eine hohe Akzeptanz in unserer Bevölkerung“, betont Professor Enno Christophers von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention. „Mit dem Screening können viele aufwendige Operationen vermieden werden. Das wichtigste aber ist, wie jetzige Untersuchungen bereits zeigen, dass die Sterblichkeit an Hautkrebs abnehmen wird und somit viele Menschenleben gerettet werden können.“, erklärt  Professor Christophers. 

Die Daten der Studienauswertung von EPIDERM sollen jetzt zur Entwicklung von Präventionsprogrammen und Strategien genutzt werden, um in anderen europäischen Ländern ähnliche Wege gehen zu können wie mit dem Hautkrebsscreening in Deutschland. Hierzu wird die Europäische Hautkrebsstiftung noch in diesem Jahr mit der Ausbildung von Hautärzten aus allen europäischen Ländern beginnen. Nach dem sogenannten Schneeballprinzip werden die geschulten Ärzte  wiederum Ärzte im eigenen Land zum Thema Hellen Hautkrebs schulen. „Die Früherkennung des Hellen Hautkrebses ist eine der wichtigsten Aufgaben, der wir uns und alle Hautärzte Europas stellen müssen“, verdeutlicht Professor Stockfleth die Bedeutung der Arztfortbildungen.

Die Europäische Hautkrebsstiftung möchte das Bewusstsein bezüglich der Hautkrebserkrankungen in der Öffentlichkeit steigern, ohne panische Angst zu verbreiten. Genau dieser Aspekt hat den Schauspieler und Musiker Stefan Jürgens überzeugt, die Stiftung als Botschafter zu unterstützen. „Wenn man mir sagen würde, ich solle nicht mehr in die Sonne, wäre das eine Sache, mit der ich nicht leben könnte. Ohne Sonne geht bei mir gar nichts! Seit ich die Europäische Hautkrebsstiftung kenne, weiß ich, dass ich mich nicht zu Hause verkriechen muss, um mich vor zu viel Sonne zu schützen“, sagt  Stefan Jürgens bei der anschließenden Preisübergabe des 1. Internationalen Journalistenpreises der ESCF. 

Der Preis würdigt die Arbeit der Redakteurinnen und Redakteure, die mit Hilfe ihrer Beiträge zur Steigerung der Aufmerksamkeit zum Thema Hautkrebs in der Öffentlichkeit beigetragen haben. Von den eingesendeten Bewerbungen hat die Jury zwei als herausragend empfunden. Antje Büll vom NDR wurde für Ihren TV-Beitrag  „Gefährliches Lasern von Leberflecken“  und Dr. Jörg Zittlau für den Artikel „Gefährlicher Frühling. Die Hautkrebsgefahr wird immer noch unterschätzt“ aus der Welt am Sonntag ausgezeichnet. Die Fördersumme betrug für jeden 5.000 Euro. 

"Auch im nächsten Jahr suchen wir wieder Journalisten, die sich mit dem Thema „Prävention, Diagnostik und Therapie von Hautkrebs“  befassen und es leicht verständlich für den Leser oder Zuschauer verpacken“, erklärt Professor Stockfleth nach der Preisübergabe.
Im Anschluss konnten sich die Gäste über das konfokale Laser-Mikroskop im Hauttumorcentrum der Charité Berlin informieren und sich erste Werke der neuen Ausstellung „Skinscape“ von Dr. Jürgen Scriba ansehen.  Der „Tag des Hellen Hautkrebses“ soll in Zukunft  jedes Jahr am 13. September mit einer Mischung aus Neuem, Wissenswertem und Feierlichem in ganz Europa stattfinden.

Die Beiträge der Preisträger: